Wird es TÜV-zertifizierte Geldanlagen geben?
März 5th, 2009 | by finanzblog24.de Redaktion | <----->Franz Müntefering, seines Zeichens Vorsitzender der SPD, schlug während eines Besuchs bei der Verbraucherzentrale Hamburg vor, man solle für Geldanlagen einen TÜV einführen. Über den Vergleich mit dem Mindeshaltbarkeitsdatum auf einem Joghurt lässt sich streiten, der hinkt sicherlich ein wenig, aber so, wie dieser Stempel auf dem Becher Joghurt zeigt, wann das Produkt abläuft, stellt sich Müntefering eine Kennzeichnung auch bei Geldanlagen vor.
Wie die Rheinische Post berichtet, meinte Müntefering, jeder Berater, sei es eine Bank oder ein Makler, habe dem Verbraucher Unterlagen vorzulegen, die geprüft wurden; etwa eine Urkunde oder ein Zertifikat. Hier solle aufgeführt werden, welche Risiken mit der Geldanlage einhergingen. Wieder etwas fraglich scheint Münteferings Meinung, bei Produkten mit kleinem Risiko habe, so es zum Eintreffen von negativen Entwicklungen käme, der Verkäufer zu haften. Fraglich, wie der SPD-Chef dies meinen könnte; wurde der Käufer doch vor seiner Zusage per Zertifikat oder Urkunde über dieses Risiko aufgeklärt. Warum nun der Verkäufer haften solle, scheint ungewiss und bleibt wohl ein Geheimnis des SPD-Chefs.
Müntefering sei nicht erfreut darüber, wie Banken und Finanzberater einen Laien zu ködern versuchten, risikointensive Geldanlagen auszuwählen. Der Verbraucher könne gar nicht das Wissen um die Geldanlagen haben und damit das Risiko auch nicht durchschauen und einschätzen. Eine positive Forderung stellt Müntefering an die Finanzberater: Kunden sollten beraten werden, der Verkauf der Produkte solle hinten anstehen. Wie eine TÜV-Zertifizierung für Geldanlagen genau aussehen solle, ob sie vom Gesetzgeber vorgeschrieben wird oder diese Prüfung in der Hand der Finanzberater und Geldinstitute gelegt wird, ist noch fraglich. Die Möglichkeit jedenfalls, dass Geldanlagen durch den TÜV geprüft werden, ist nicht neu, einige bieten dies bereits an.
Derzeit nutzen allerdings nur wenige Unternehmen die Option, ihre Tagesgeld- und Festgeldkonten, Sparbriefe, Investmentfonds und Zertifikate durch den TÜV zu prüfen. Der Finanzmarkt ist aktuell derartig schwankend, dass regelmäßige Prüfungen unabdingbar wären, wenn diese Möglichkeit genützt würde. Die Prüfung durch den TÜV verursacht natürlich auch wieder Kosten, sodass diese dann geklärt werden müssten. Dass Kunden für Geldanlagen eine gute Beratung erhalten, ist bereits gesetzlich verankert, wie Urteile beweisen. Nun scheint es fraglich, ob eine gesetzliche TÜV-Pflicht an der aktuellen Beratungssituation etwas ändern würde.
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